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Wart-ende

Irgendwann in den letzten Tagen und Wochen habe ich tatsächlich aufgehört, auf eine Nachricht von dir zu warten. Wann genau kann ich nicht sagen. Ich war selbst überrascht darüber und verwundert zugleich. Es muss irgendwo auf halbem Weg gewesen sein zwischen der allerletzten, in stockender Hitze durchwachten Spätsommernacht und dem überraschend um die Ecke gekrochenen, ersten herbstlichen Frösteln vorgestern Abend auf dem Nachhauseweg. Wenn ich das jetzt einfach so dahersage, meint es weder, dass ich dir böse bin, noch, dass ich dich nicht mehr lieb habe. Es heisst bloss, dass etwas in mir nicht mehr so dringlich wartet auf dich und all die Zeilen, die einst von dir zu mir purzelten und dort Flecken hinterliessen, von denen ich hoffe, dass die ein Leben lang halten. Es heisst bloss, dass irgendetwas in mir sich nicht mehr so unsäglich minutenzustundenundtagenverzaubernd sehnt, nach deinen hier und da tollkühnen, seelentröstenden bis auch schonmal puderzuckerfeingleichen Worten. Ob das nun gut so ist oder nicht – ich versuche, mir nicht anzumassen, darüber zu urteilen. Hier und jetzt empfinde ich bloss und schreibe darüber. Vielleicht liegt es an mir selbst, vielleicht an dir oder auch an der unaufhörlich datickhinundwegtackenden Zeit. Vielleicht war alles von Anfang an so vorgesehen, vielleicht hätte es auch noch tausendundeine Nacht wie bis anhin weitergehen können – unser »Findlings-Wir« im Hier und Nun und gleichwohl so verdammt weit weg. Womöglich hat nicht zuletzt der Herbst seine vor Melancholie klebrig triefenden Finger mit im Spiel und lässt uns einmal mehr im dunsterfüllten Zwielicht der ihm anvertrauten Tage und Nächte irrtanzen – wie Marionetten im Blätterregen (Ausrutschen und Heulen inklusive). Wie Eintagsfliegen im Fahrtwind. Wie selbstvergessen dummdreiste Luftikusse im sich ewig drehenden Rad der Zeit. Ich will ehrlich sein, es macht mich ein wenig traurig, dass ich fortan vermutlich nicht mehr warte, nicht mehr verzweifelt dürste nach einem (Lebens-)Zeichen von dir. Eins, das nur mich etwas angeht und dessen Zeilen ausschliesslich mir gehören. Ein wenig meint bei mir immer sehr. Ich weiss, dass du das weisst. So sicher, wie vielleicht niemand sonst. Ich wiederum bin mir nicht einmal sicher, wieso ich das alles schreibe, statt mich in ebenso erhabene Stille zu hüllen wie du. Vielleicht, da es mir nicht so besonders gut ergeht derweil, möglicherweise auch, da ich nicht will, dass du die Last des Schweigens weiterhin mit dir rumträgst. Von Tief zu tiefer. Zumindest und bitte nicht in Bezug auf mich. Du bist nach wie vor eine der grossartigsten und marianengrabentiefsten Seelen, die mir je über Leber und Herz gelaufen ist und ich werde nie aufhören, an dich zu glauben und dir jeden Morgen, beim ersten Schluck Kaffee des Tages, ein klein wenig mehr Leichtigkeit und Vertrauen in dein Jetzt und erst recht in deine Zukunft zu wünschen. Vielleicht muss das ein oder andere, das eben erst zählte, hin und wieder auch mal schweigen. Schweigen, um genügend Raum zu schaffen für Bewusstsein und Stille, für ein (vorläufiges) Ende allen Wartens – um zeitgleich mit dem Gong, der jene Pause beendet, in eine neue Runde zu starten. Eine neue Runde Leben. Ich habe keine Ahnung. Wie oben bereits erwähnt, hier und jetzt empfinde ich bloss und schreibe darüber. P.S. Vergiss nicht: ich habe vielleicht aufgehört zu warten aber nicht, dich in meinem Herzen zu tragen. Für immer, musst du wissen. Für immer.

 

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28.2.16 17:13
 


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